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Einreisen zum Ausrasten - die neue Corona-SMS

Dieser Artikel ist ein Archiv dieses Twitter-Threads.

Gestern wurde bekannt gegeben, dass ab morgen Einreisenden bei der Einreise eine SMS gesendet wird, um sie über die Corona-Regeln zu informieren.

Wir haben privat schon ein bisschen Witze gemacht, dass die SMS sicher nur einen Link auf eine Website enthält …


Heute haben wir dann den vollständigen Text dieser SMS gefunden ( https://www.bundesgesundheitsministerium.de/presse/pressemitteilungen/2021/1-quartal/corona-sms.html ) und was sollen wir sagen… Bingo!

Die Bundesregierung: Willkommen/Welcome! Bitte beachten Sie die Test-/Quarantäneregeln; please follow the rules on tests/quarantine: https://bmg.bund.de/covid19

Was als Erstes auffällt: Es enthält wirklich gar keine Informationen, sondern nur den Link, und klingt genau wie die schlechten NINA-Warnmeldungen. Kommunikation können die!

Beispiel für lange, schlechte NINA-Warnmeldungen die vor dem eigentlichen Inhalt abgeschnitten sind.

Dann mussten wir natürlich sofort drauf klicken! …uuuuuuund: FULLSCREEN COOKIE WARNUNG, AUF DEUTSCH¹!

¹ unser Telefon ist auf Englisch gestellt und der Browser teilt dem Server auch mit, dass Englisch bevorzugt wird.

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Da stellt sich natürlich die Frage: WARUM ZUM TEUFEL?! Diese Seite sollte überhaupt keine Cookies benötigen, oder können wir demnächst Werbebanner auf bundesregierung punkt de schalten?


Wir klicken also erst einmal auf “Details anzeigen” und sehen auch nicht viel mehr, weil immer noch zu wenig Platz ist

Auf dem Desktop nachgeguckt sieht es dann so aus …also alles komische Thirdparty-Dienste, und zwölfmal Marketing?! Ganz großes Tennis.


Danach ein kompliziertes Schaubild. Text natürlich als schlecht aufgelöstes Bild eingebunden. Damit wird es natürlich auch nicht übersetzt, falls die Übersetzungsfunktion des Browsers eingeschaltet wurde.


Aber noch viel schlimmer: Das Bild ist auf mobilen Geräten rechts abgeschnitten und lässt sich auch nicht horizontal reinscrollen. Auf welchen Geräten bekommt man SMS? Richtig – auf mobilen Geräten!


Zum Glück haben wir durch den kurzen Ausflug an den Desktop-PC schon gesehen, dass das Bild nur ein Link auf ein PDF ist, und klicken drauf.


Dann darf man sich entscheiden, ob man gerade aus einem “Risikogebiet”, “Hochinzidenzgebiet”, “Virusvarianten-Gebiet” oder “Kein Risikogebiet” einreist. 🤔

Wir haben leider nicht alle Länder und deren Status im Kopf, gehen wir erstmal zurück …


Zum Glück befindet sich direkt darunter ein Link zum RKI (natürlich mit eigener Cookie-Warnung), dahinter verbirgt sich eine Wall of Text mit allen Gebietsarten und Ländern aufgelistet… Keine Flaggen, keine Tabelle, kein Inhaltsverzeichnis.

(Ja, wir scrollen wirklich 1:10min!)


Nebenbei: Wir sind keine Virologen. Deswegen fragen wir uns, was genau eigentlich der Unterschied zwischen Risiko- und Hochinzidenzgebiet ist und was ein Virusvarianten-Gebiet ist, wenn Deutschland mit aktuell 37% der Neuinfektionen mit B117 nicht dazu zählt? https://www.tagesspiegel.de/berlin/zahlen-aus-berlins-groesstem-labor-b-1-1-7-mutation-in-37-prozent-positiver-corona-proben/26953640.html


Ganz am Ende der Seite dann doch: Hinweise auf andere Sprachen! In Form von nicht barrierefreien PDFs. Und warum auch immer die deutsche Bezeichung der Sprache vor dem nativen Begriff steht. Wer soll das finden?


Hier gibt es das tolle Schaubild sogar auf Englisch. Der Link zu den Risikogebieten verlinkt dann aber auf die deutsche Variante und nicht auf die englische, die es wieder nur als PDF gibt.


Warum gibt es Informationen in anderen Sprachen immer nur als PDF? Die Auflistung der Gebiete haben wir nur auf Deutsch und Englisch gefunden.


Obwohl die Website der Corona-Warn-App eine automatische Sprachenerkennung hat (anhand der Präferenz des Browsers, wie oben erwähnt), wird hier explizit auf die deutsche Variante verlinkt.


Noch schlimmer wird es bei den Links zu den Bundesländern. Die sind zwar blau und unterstrichen, aber gar keine Links.


Da die Links so lang sind, werden sie umgebrochen. iOS versucht hier schlau zu sein und einen Link zu generieren.

Wenn man z.B. im chinesischen PDF auf den Baden-Württem_berg_ Link klickt, landet man auf berg punkt de.


Mit dem Bayern-Link hat man da mehr Glück, man landete zumindest schon mal auf der korrekten Domain aber bei “404 - Himmel nochmal!”


Wir sind ja Digital Natives 🤓, also markieren wir einfach den ganzen Link und copypasten ihn in den Browser!

Aber da der Umbruch natürlich mit Bindestrich passiert, ist da jetzt ein Bindestrich in der Domain zu viel und auch die rauskopierten Links sind kaputt.


Falls ihr Lust auf ganz besonders zielgerichtetes Phishing habt: schleswig-hol-stein punkt de und in-fektionsschutz punkt de sind noch frei 🤡


Wir möchten kurz nochmal die wichtigste Stelle der Pressemitteilung des Bundesgesundheitsministerium zu den SMS zitieren:

“Über den Kurzlink erhalten Einreisende kompakte Informationen über ihre Pflichten im Zusammenhang mit dem Coronavirus […]”

🤣 🤣 🤣


So, das war ja alles ganz lustig, aber wie könnte man es denn eigentlich besser machen?


Man hätte zum Beispiel die wichtigsten Informationen direkt schon in die SMS schreiben können, denn welche Reisenden haben schon bei der Ankunft in einem fremden Land Datenvolumen, um sich überhaupt durch diese Behörden-Website-Wüste und PDFs zu klicken?


Es wäre auch eine deutliche angenehmere Experience, wenn man mehrere SMS mit jeweils genau einer Sprache bekäme, statt dieses DE/EN-Reißverschlussverfahren

(Vielleicht sogar klug erkannt, welche Sprache? … 1. Eine Sprache des Heimatlandes der SIM-Karte, 2. EN, 3. DE ?)


Und wenn man unbedingt so komplexe Regeln machen möchte und deswegen wirklich einen Link braucht, dann sollte die Seite dahinter die Browser-Sprache automatisch erkennen und auswählen, oder wenigstens eine Sprachauswahl am Anfang der Seite (IN DER JEWEILIGEN SPRACHE!) existieren.


Die Informations-Seite sollte dann Eingabefelder für Herkunftsland, Zielort, etc. haben und basierend darauf die passenden Regeln anzeigen.

Das geht auch komplett lokal im Browser, ohne die Daten zu übertragen.


Aber wir verstehen schon, dass so schnell keine gute Lösung umsetzbar ist, es war ja nur ein knappes Jahr Zeit. 🤡

🧵-Ende


Diese UX-Beratung war ein kostenloser Service von zerforschung und ist auch ohne Unterschrift gültig. Wenn ihr uns trotzdem und auch für weiteren Spaß unterstützen wollt hier entlang: https://zerforschung.org/unterstuetzen/

Update: Wir haben mal alle Unterlagen dazu angefragt: https://fragdenstaat.de/anfrage/corona-sms-fur-einreisende-ab-1-marz-2021/



Wir wurden gerade darauf hingewiesen, dass es ja auch den COVID-19-Chatbot auf https://chatbot.it.bund.de/ gibt.

Chatbot, der erst mal Datenschutzvereinbarungen aktzeptiert haben will
Frage: was muss ich tun wenn ich aus China einreise. Antwort Chatbot: Fachkräfte und hoch qualifizierte Arbeitnehmer im Sinne der 'Empfehlungen des Rates zur vorübergehenden Beschränkung nicht unbedingt notwendiger Reisen in die EU und die mögliche Aufhebung dieser Beschränkung' (Ratsdokument 9208/20) sind Fachkräfte mit einem konkreten Arbeitsplatzangebot im Sinne der gesetzlichen Definition (§§ 18 Abs. 3, 18a, 18b AufenthG), das durch die Erklärung zum Beschäftigungsverhältnis nachgewiesen wird; Wissenschaftler/Forscher (§ 18d AufenthG); Entsendungen (nach § 19 Abs. 1 i.V.m. § 10 BeschV) und ICT beschränkt auf Führungskräfte ...


Nicht so richtig was wir wollten, aber mal auf “mehr anzeigen” klicken… Ahhhhhh🥶😱😤 “Bereitgestellt durch: Quellen: Aufzählung, Absätze” - weißte bescheid.

Voraussetzung für eine Einreise als Fachkraft oder hoch qualifizierter Arbeitnehmer ist jeweils ein Nachweis der Präsenzpflicht in Deutschland (z.B. durch Vorlage eines Arbeitsvertrags) und die Glaubhaftmachung (durch Vorlage einer Bescheinigung des Arbeitgebers/Auftraggebers), dass die Beschäftigung aus wirtschaftlicher Sicht notwendig ist und die Arbeit nicht zeitlich verschoben oder aus dem Ausland verrichtet werden kann. Die wirtschaftliche Notwendigkeit bezieht sich auf die Wirtschaftsbeziehungen und/oder die Wirtschaft Deutschlands oder des Binnenmarkts. Entsprechende Belege sind bei der Reise mitzuführen und ggf. bei der Grenzkontrolle vorzulegen. Für ausländische Fachkräfte und hoch qualifizierte Arbeitnehmer, die (a) nach § 41 Abs. 1 AufenthV visumfrei auch für einen langfristigen Aufenthalt einreisen können, aber (b) nicht Staatsangehörige eines Staats sind, der auf der Positivliste steht, gilt: Wenn diese Personen kein Visum zur unmittelbaren Aufnahme ihrer Erwerbstä

OK, mal ein anderes Land probieren…

Frage: was muss ich tun wenn ich aus polen einreise. Antwort Chatbot: Das Thema rund um diesen Corona-Virus ist aber auch umfangreich und vielfältig! Obwohl ich stetig dazu lerne, kann ich zu Ihrer Frage keine Antwort finden. Bitte formulieren Sie Ihr Anliegen noch einmal anders.

Auf chinesisch nachfragen zerlegt den Bot übrigens reproduzierbar.